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    Maria_Berlin

    Aktiv seit: 23. Mai 2026
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    16 Rezensionen

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    Lori

    Anousch Mueller
    Lori (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.10.2026

    Die verschwiegene Vergangenheit

    Spannend und in einer berührenden Sprache erzählt Anousch Mueller in ihrem neuen Roman „Lori“ eine Geschichte über Schuld und Verdrängung - und über den tastenden Versuch, Wahrheit zuzulassen.

    In Rückblenden auf die verschiedenen Zeitebenen bewegt sich die Ich-Erzählerin Leni zwischen den Jahren 1974 bis 2000 und schildert die Geschichte ihrer Familie, die an den politischen Verwerfungen ihrer Zeit und einem Geheimnis, zu zerbrechen droht.

    Thüringen, 1995. Auf einem verlassenen Bahnhof abseits des Dorfes, wächst Leni mit ihren fünf Geschwistern auf. Seit sie denken kann, spürt sie aber in kurzen Momenten, dass etwas fehlt und in ihren Erinnerungen taucht immer wieder eine kleine Schwester auf. Als Leni durch Zufall den Mutterschaftspass ihrer Mutter findet, weiß sie, dass ihr Gefühl sie nicht getäuscht hat. Nur was geschah mit ihrer Schwester Lori?

    Als erwachsene junge Frau verschlägt es Leni nach Berlin doch sie findet hier keine Ruhe und kehrt zurück zu ihrer Mutter, die mittlerweile alleine auf dem verlassenen Bahnhof lebt. Leni weiß mit Sicherheit, hier muss sie sich auf die Suche nach dem Geheimnis machen, das ihr Leben prägt und endlich die Wahrheit über ihre Familie finden. Die Suche nach Antworten führt sie bis in die frühen siebziger Jahre der DDR zurück.

    Es braucht seine Zeit um sich mit ihrer Mutter zu verständigen, die verstreute Familie zu versammeln um all das Verdrängte zur Sprache zu bringen und endlich die Wahrheit zuzulassen.

    Fazit:
    Die Autorin konnte mich mit ihrer tiefbewegenden Geschichte positiv überraschen. Ihr Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Charaktere fand ich der Zeit gut angepasst und authentisch. Besonders gut gefallen haben mir die historischen Hintergründe und gesellschaftlichen Themen, die die Handlung gelungen miteinander verbindet. Eine berührende Geschichte mit einem versöhnlichen Ende, die ich gerne gelesen habe und weiterempfehle.
    Guten Morgen, schönes Wetter heute

    Tanja Kokoska
    Guten Morgen, schönes Wetter heute (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    17.09.2026

    Gefühlvoll aus dem Leben erzählt

    In ihrem neuen Roman „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ erzählt die Autorin Tanja Kokoska eine Geschichte voller Wärme und zartem Humor über Freundschaft, Familie und Nachbarschaft.

    In der Siedlung „Am Kastanienbaum“ leben genau 1.583 Menschen nah beisammen, jeder für sich und doch verspüren sie alle eine Sehnsucht nach Gemeinschaft. Sie leben zwar auf engem Raum miteinander aber sie kennen sich nicht bis zu dem Tag als der Baggerfahrer Paco eine schicksalhafte Entdeckung macht: Eine Weltkriegsbombe liegt unter der Erde. Darauf geschieht in der Siedlung etwas Wundersames …

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht die alleinerziehende Ina, die in einem Tattoo-Studio und in einem Hotel an der Rezeption arbeitet. Mit Männern hat sie kein Glück dafür aber mit ihrem Sohn Henry, der kurz vor seinem Abi steht. Henry kennt seinen Vater nicht und Ina, nicht mal den Namen, ihres One-Night-Stands.
    Dann gibt es in der Siedlung noch Herrn Bello, der am liebsten im Faltenrock tanzt. Samy, der davon träumt, eine Ente zu streicheln. Frau Arslan, die Gedichte von Rainer Maria Rilke in Pralinenschachteln versteckt und die demente Frau Kaiser, die sich ihre Einsamkeit am Telefon mit fremden Menschen, vertreibt. Sie alle eint die Sehnsucht nach Glück und Verbundenheit.

    Die Weltkriegsbombe muss entschärft werden und die Menschen in der Siedlung werden erst einmal evakuiert. In der Turnhalle kommen sie sich plötzlich einander viel näher, als sie es je für möglich gehalten hätten und hier können sie loslassen und sich einfach dazusetzen.

    Fazit:
    Diese warmherzige Geschichte liest sich einfach wunderbar und dazu der flüssige und humorvolle Schreibstil, konnte mich von der ersten Seite an, einfach nur fesseln. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, mit ihren zauberhaften Charakteren, eine authentische Geschichte zu erzählen, die ich gerne gelesen habe. Gerne empfehle ich dieses Buch allen, die gerne Gesellschaftsromane lesen.
    Geschwister

    Moa Herngren
    Geschwister (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    07.09.2026

    Eine authentische Familiengeschichte

    Moa Herngren erzählt in ihrem neuen Roman „Geschwister“ von der Zerbrechlichkeit familiärer Bindungen und stellt die wichtige Frage: Wem gehört die Wahrheit über die gemeinsame Vergangenheit?

    Die von der Autorin aufgebaute dichte Atmosphäre und der Perspektivwechsel zwischen den Geschwistern, entwickelt schnell eine absolute Sogwirkung.

    Nach dem Tod des Vaters treffen sich die drei erwachsenen Geschwister Ulrika, Andrea und Rasmus im Elternhaus, um den Geburtstag ihrer Mutter zu feiern. Alle versuchen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden, doch im Spannungsfeld zwischen alten Mustern und der veränderten Familienkonstellation bringen Verletzungen aus der Kindheit die Geschwister an ihre Grenzen. Andrea fühlt sich von der engen Beziehung zwischen ihrer älteren Schwester und ihrer Mutter ausgeschlossen, Ulrika sieht in Andrea nur Papas Liebling, die immer alles bekommen hat, was sie wollte, und Rasmus, der Jüngste, steht schon seit jeher im Schatten seiner Schwestern. Als auffällt, dass einige Gegenstände aus dem Haus verschwunden sind, kommt es zum Eklat, und drei verschiedene Versionen einer gemeinsamen Kindheit prallen aufeinander.

    Im ersten Teil erzählt Andrea aus ihrer Perspektive verwoben mit Erinnerungen an die Vergangenheit: Sie hat das Gefühl, sich um alles kümmern zu müssen. Sie ist doch diejenige, die sich um die Beerdigung ihres Vaters gekümmert hat und sich um ihre Mutter sorgt. Das Ansehen ihres geliebten Vaters ist ihr besonders wichtig und deshalb kann sie nicht verstehen, warum ihre Mutter und ihre Geschwister, dies so gleichgültig lässt. Besonders die innige Beziehung zwischen ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Ulrika, ist ihr ein Dorn im Auge. Dann hat sie noch die Belastung mit ihrem Architekturbüro, ihrem Mann Dan und ihrer Tochter Livan aber trotzdem scheint sie wie ein Wirbelwind alles zu schaffen.

    Im zweiten Teil erzählt Ulrika aus ihrer Perspektive verwoben mit Erinnerungen an die Vergangenheit: Irgendwie hat sie kein Glück mit den Männern und muss hart für ihren Unterhalt und den ihres Sohnes, arbeiten. Verständnis für ihre Situation bekam sie nie von ihrem Vater, denn seit dem Vorfall aus der Kindheit als Andrea fast ertrunken wäre, zeigt er ihr gegenüber nur Ablehnung. Ulrika kümmert sich rührend um ihre Mutter, denn sie verbindet ein Geheimnis, worüber sie nicht reden wollen, bis Andrea immer fordernder und aufdringlicher wird.

    Ulrike und Andrea geraten in Streit und dazwischen steht Rasmus.

    Im dritten Teil erzählt Rasmus aus seiner Perspektive verwoben mit Erinnerungen an die Vergangenheit: Rasmus ist das Nesthäckchen der Familie und kann sich nicht an ein Zusammenleben mit Ulrika erinnern sondern an sein inniges Verhältnis zu Andrea, die ja noch zu Hause gewohnt hatte. Er steht im Schatten seiner Schwestern und versucht sich immer geschickt im Hintrgrund zu halten bis zu dem Tag als es zum großen Streit der Schwestern kommt. Rasmus ist hin und her gerissen und steht zwischen den beiden Streithähnen. Endlich gelingt es ihm, dieses toxische Verhalten seiner Schwestern hinter sich zu lassen und merkt schnell, dass er ohne sie besser klar kommt und endlich aufatmen kann. Seine Freundschaft zu Hannes wird immer inniger und Rasmus stellt sich seiner Veranlagung.

    Fazit:
    Ein beeindruckend realistischer Familienroman, der geschickt und authentisch familiäre Kränkungen und Verletzungen aus den verschiedenen Perspektiven mit überraschenden Wendungen erzählt. Alle drei Geschwister haben ihre Stärken und Schwächen und doch spürte ich, was sie bis in die Gegenwart, geprägt hat. Mich konnte die Geschichte von der ersten Zeile an fesseln. Gerne empfehle ich dieses Buch allen, die gerne Familienromane lesen.
    Theo in Golden

    Allen Levi
    Theo in Golden (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    04.09.2026

    Wer ist der Fremde

    In seinem Debüt „Theo in Golden“ erzählt Allen Levi, die Geschichte eines Fremden, der nach Golden in Georgia kommt und nur mit dem Namen Theo angesprochen werden möchte. Nur wer ist der merkwürdige Fremde, der weit mehr Fragen stellt, als er beantwortet?

    Theo stammt aus Protugal, hat in verschiedenen Ländern, immer in der Nähe von Flüssen gelebt und hier in Golden fühlt er sich bereits nach kurzer Zeit von der Atmosphäre seiner neuen Umgebung völlig wohl. Besonders das Café „Charlice“ hat es ihm angetan, hier gibt es nicht nur den besten Kaffee sondern 92 Bleistiftporträts die an den Wänden hängen – Porträts der Menschen von Golden, gezeichnet von einem lokalen Künstler. Es dauert auch nicht lange bis er den Künstler kennenlernt und tiefe Gespräche mit ihm führt. Eine Freundschaft mit dem Künstler und bald mit dessen gesamter Familie, kristalliersiert sich recht schnell heraus.

    Immer wieder besucht Theo das Café „Charlice“ und verbringt Stunden vor den Porträts bis eines Tages in ihm der Gedanke reift, diese zu kaufen und den abgebildeten Personen als Geschenk zu überreichen. Mit jedem Austausch erfährt Theo die Geschichte der abgebildeten Person und schließt nicht nur Freundschaften sondern auch Argwohn, den er versucht zu entkräften. Mit Theos Mission wird Golden schnell zu einem Ort, an dem Menschen sich plötzlich wirklich gesehen fühlen.

    Bei dem betagten Makler James Ponder kann Theo eine Wohnung mieten und schnell entsteht zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft. James Ponder wird Vertrauter und Verwalter von Theos wichtigsten Unterlagen. Doch noch immer stellt sich die Frage: Wer ist Theo und was bezweckt er mit seiner ganzen Mission?

    Ein Jahr lebte Theo in Golden …

    Gespannt bin ich den Gedanken und Gefühlen Theos gefolgt aber das Ende hatte ich so nicht erwartet und war doch recht erstaunt über seine wahren Beweggründe nach Golden zu reisen.

    Fazit:
    Der Autor erzählt seine Geschichte flüssig und leicht lesbar in vielen kurzen Kapiteln. Die Charaktere sind alle sehr gut ausgearbeitet doch obwohl sie für kurze Zeit in den Mittelpunkt rücken, wirken sie oberflächlich. Gerne hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Grundsätzlich fand ich das Thema und die Idee der Geschichte richtig gut aber letztendlich ging es wohl bei dieser ganzen Mission eher um das Seelenheil von Theo?
    Leuchtende Schatten

    Iris Wolff
    Leuchtende Schatten (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    31.08.2026

    Getragen von der Erinnerung

    "Leuchtende Schatten" ist der zweite Roman der mittlerweile vielfach ausgezeichneten deutschen Autorin Iris Wolff. Die Geschichte erzählt von Hermannstadt/Siebenbürgen vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und von der Unantastbarkeit der Freiheit, von Freundschaft und Liebe in der Zeit zwischen Kindheit und Erwachsensein.

    Die Wurzeln der Autorin liegen selbst in Hermannstadt/Siebenbürgen, sie stammt aus einer deutschsprachigen "sächsischen" Familie in Rumänien und ist als Kind gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland ausgewandert.

    Die Vierzehnjährige Ich-Erzählerin Ella erinnert sich, wie Harriet eines Tages neu in ihre Schulklasse kommt und sie sofort von ihr fasziniert ist. Wie soll sie Kontakt knüpfen, Ella ist ratlos! Erst durch einen Badeunfall, als Ella ihr das Leben retten kann, werden die beiden Mädchen zu unzertrennlichen Freundinnen. Ella wächst mit ihrer Familie eher ärmlich auf während Harriet mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter in einer Villa lebt. Trotz ihrer unterschiedlichen Verhältnisse, sind sie sich auf unmittelbare, sinnliche Weise vertraut. Harriet trägt ein Geheimnis in sich, das sie selbst ihrer besten Freundin lange verschweigt.

    Ella erzählt von den politischen Ereignissen der Jahre 1943 und 1944 im siebenbürgischen Hermannstadt, die sich immer mehr zuspitzen und sie dann die Wahrheit um Harriets Vergangenheit, erfährt. Letztendlich kommt es für beide Mädchen zu einem schnellen und unsanften Abschied von der Kindheit und der unfreiwilligen Trennung ihrer Freundschaft.

    Letztlich bleibt Ella die Zeit mit Harriet in bildhafter Intensität gegenwärtig, denn "Glück wird durch Leid nicht aufgehoben", und die Erfahrung des Verlusts lässt die Erinnerung umso leuchtender werden.

    Fazit:
    Die Autorin hat einen wunderbaren poetischen und leichten Schreibstil, dem ich sehr gerne gefolgt bin. Die Geschichte wird getragen von der Erinnerung und nimmt sich Zeit um erzählt zu werden. Sie braucht keine ständigen Wendungen oder großen dramatischen Momente um zu berühren. Vieles entwickelt sich langsam und wirkte für mich dadurch umso intensiver.
    Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
    Ms Atkins und die Bibliothek der Träume

    Vanessa Göcking
    Ms Atkins und die Bibliothek der Träume (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    25.08.2026

    Eine Reise in eine geheimnisvolle Welt

    Schon nach wenigen Zeilen war ich vollkommen gefesselt von „Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“, denn Vanessa Göcking erzählt in ihrem neuen Roman eine berührende Geschichte über Mut, Erinnerungen und die Träume, die uns durchs Leben tragen.

    Amanda Eleonore Atkins lebt ein Leben voller Regeln und Routinen. Sie hat eine leitende Stellung bei der Zoll- und Steuerbehörde und freut sich auf jeden Freitagnachmittag, wenn sie nach der Arbeit auf dem Weg zur Bibliothek ist. Die Bibliothek ist ihr zweites Zuhause.

    Wieder eine Woche geschafft und für Amanda liegt ein ruhiges Wochenende voller Bücher vor. Doch als sie an diesem Freitag an die Ausleihtheke geht, bemerkt sie einen Jungen, der auf seinem Handy spielt und von Mrs Hodgins fehlt jede Spur. Henry bemerkt zu spät, dass er vergessen hat, Amanda einen Brief auszuhändigen und setzt alles daran, ihre Adresse herauszufinden und den Brief persönlich in deren Briefkasten zu stecken.

    Das Schreiben enthält die Einladung für den Zutritt in einen verborgenen Leseraum der öffentlichen Bibliothek und als sie von Henry in diesen geführt wird, gerät Amandas geordnete Welt langsam ins Wanken.

    Inmitten dieser verborgenen Bibliothekswelt begegnet sie dem mysteriösen Robert Joy, der eigenwilligen Xiao Mei Smith und Henry. Gemeinsam tauchen die vier Protagonisten in magische Geschichten ein und stellen sich dabei ihren Erinnerungen, Ängsten und tiefsten Sehnsüchten. Nach und nach erkennt Amanda, dass dieser besondere Ort nicht nur Bücher bewahrt, sondern auch die Hoffnungen und Träume seiner Besucher.

    Mit hochwertigem Hardcover, Farbschnitt und veredeltem Schutzumschlag ist dieses Buch auch optisch etwas ganz besonderes. Die liebevoll gestaltete Ausgabe eignet sich wunderbar als Geschenk für alle, die emotionale und berührende Geschichten über Freundschaft, Hoffnung und die Magie der Bücher lieben.

    Fazit:
    Der Schreibstil von Vanessa Göcking hat mir unglaublich gut gefallen, denn die Geschichte nimmt sich Zeit und genau das mochte ich. Sie braucht keine ständigen Wendungen oder großen dramatischen Momente um zu berühren, denn vieles entwickelte sich wie von selbst, atmosphärisch und voller emotionaler Tiefe. So unterschiedlich die vier Protagonisten auch sind, eins verbindet sie - die Bibliothek der Träume.
    Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
    Die Mitternachtsreise

    Matt Haig
    Die Mitternachtsreise (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.08.2026

    Reise in die Vergangenheit

    Mit einer beeindruckenden Leichtigkeit erzählt Matt Haig in seinem neuen Roman „Die Mitternachtsreise“ eine zauberhafte Geschichte über Erinnerungen, verpasste Chancen und die lebensverändernde Kraft der Bücher aus der Welt der Mitternachtsbibliothek.

    Stell dir vor, dein Leben zieht im Zeitraffer an dir vorbei. Was würdest du noch einmal erleben wollen? Welche Momente – und welche Menschen – zählen wirklich?

    Wilbur ist 81 Jahre alt, einsam und am Ende seines Lebens angekommen. Doch statt dem Tod wartet ein rätselhafter Zug auf ihn. Und nie hätte Wilbur gedacht, dass er Agnes Bagdale noch einmal begegnen würde. Als Kind war der Buchladen der alten Dame in Sheffield sein Zufluchtsort, nicht nur wegen seiner geliebten Bücher. Bei Bagdale's Bookshop konnte er die Probleme zu Hause einen Moment vergessen. Und dort begann auch seine eigene Laufbahn als Buchhändler. Er wurde sogar mehr als sehr erfolgreicher Buchhändler, stellte dabei aber seine Arbeit über seine große Liebe Maggie. Erst als sie ihn verließ wurde er sich seiner Fehler bewußt.

    Und jetzt nimmt Agnes ihn im Mitternachtszug mit, gemeinsam reisen sie zurück durch die Zeit, auf eine Reise, die ihn seine bedeutsamsten Momente noch einmal durchleben lässt. Die glücklichsten Momente, wie damals in den Flitterwochen in Venedig mit seiner großen Liebe Maggie. Aber auch die schlimmsten, in denen er alles verlor.

    Schon bald begreift Wilbur, welche Entscheidungen ihn auf seinen Lebensweg geführt haben und welche Fehler er gemacht hat und wie viel er hätte anders machen können.

    Als der Träumer noch hinzukommt und mit Wilbur gemeinsam im Mitternachtszug weiterfährt, nimmt die Handlung richtig Fahrt auf und ab diesem Zeitpunkt wird die Geschichte deutlich spannender und emotionaler.

    Fazit:
    „Die Mitternachtsreise“ ist es eine langsam und gemütlich erzählte Geschichte, die sich Zeit nimmt für Tiefsinnigkeit und ausführliche Dialoge zwischen den Figuren. Der Roman hat mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch immer wieder dazu gebracht, über das eigene Leben nachzudenken.
    Von mir gibt es vier Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle die sich schon für "Die Mitternachtsbibliothek" begeistern konnten.
    Goodbye, Honeysuckle

    Tayari Jones
    Goodbye, Honeysuckle (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    15.08.2026

    Nur ein schöner Einstieg …

    In ihrem neuen Roman "Goodbye, Honeysuckle" erzählt Tayari Jones eine Geschichte rund um die Themen: Mutterlosigkeit, eine lebenslange Freundschaft und die Schikanen der rassistischen 50er-Jahre.

    Vernice und Annie haben etwas gemeinsam, sie sind beide in den 60er-Jahren in der Kleinstadt Honeysuckle in Louisiana mutterlos aufgewachsen und seit ihrer Kinderheit beste Freundinnen. Vernices Mutter wurde von ihrem eigenen Ehemann erschossen und von ihrer wenig begeisterten Tante Irene großgezogen während Annie kurz nach ihrer Geburt von ihrer Mutter verlassen und von ihrer Großmutter großgezogen wurde. Je älter die Mädchen werden umso mehr leiden sie über den Verlust ihrer Mütter.

    Annie ist natürlich klar im Vorteil, denn ihre Mutter lebt ja noch und deshalb gibt sie die Hoffnung auf ein Wiedersehen nicht auf. Mit 18 Jahren verlässt sie Hals über Kopf ihre Großmutter und Honeysuckle, um sich auf die Suche nach ihrer Mutter, zu machen. Annie verschlägt es nach Memphis und mitten hinein in Armut, Sex und Jazz. Abend für Abend mixt sie Cocktails in einem Nachtclub und hofft, dass ihre verschollene Mutter am Tresen auftaucht.

    Vernice, geprägt von der Erziehung ihrer resoluten Tante, geht nach Atlanta, um am Spelman College zu studieren. Dort schließt sie sich einem Kreis von selbstbewussten Schwarzen Frauen an und erlebt ihre erste Liebe, muss sich aber auch in einer gnadenlosen Welt des Reichtums behaupten.

    Die Wege der Freundinnen trennen sich zum ersten Mal, doch sie verlieren sich nicht aus den Augen sondern schreiben sich immer wieder Briefe – bis eine Tragödie ihre Leben wieder zusammenführt und das Band zwischen ihnen auf die Probe stellt.

    Von der eigentlichen Tragödie habe ich mir etwas ganz besonderes vorgestellt und mich auf ein spannendes Ende gefreut aber letztendlich konnte mich dieses nicht wirklich fesseln und überzeugen.

    Fazit:
    Gerade weil die Geschichte abwechselnd aus den Ich-Perspektiven von Annie und Vernice geschildert wird, schafft es die Autorin mit einer Leichtigkeit, ihre Protagonisten zum Teil nahbar aber auch gleichzeitig unglaublich komplex wirken zu lassen. Den Figuren fehlten Emotionen und der Handlung Tiefe. Die Geschichte ist interessant aber wirklich packen konnte sie mich nicht.
    Dem Meer entgegen

    Lidija Hilje
    Dem Meer entgegen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    09.08.2026

    Ein wundervoll erzähltes Debüt

    In ihrem wundervollen Romandebüt „Dem Meer entgegen " erzählt Lidija Hilje, eine atmosphärische Geschichte vor der Küste Kroatiens über alte Gefühle, eine zweite Chance auf die Liebe und den Mut zu einem Neubeginn.

    Im Mittelpunkt steht die achtunddreißige Ivona, die nach knapp zwanzig Jahren in ihr Elternhaus in Zadar zurückkehrt um ihren kranken Vater zu pflegen. Ivona fühlt sich überfordert mit dem hochverschuldeten Anwesen Lovorun ihrer verstorbenen Großmutter, dass ihr Vater unbedingt zu einem Hotel umbauen wollte. Ihr Bruder kann nur bedingt helfen während ihr Vater Lovorun, unbedingt behalten will, doch die Bank lehnt einen weiteren Kredit ab. Ivona kümmert sich um den Verkauf des Hotels und Anwesens mitsamt ihren geliebten Olivenbäumen.

    Die Nähe zu ihrem Ex-Mann Vlaho, der mit ihrer besten Freundin verheiratet ist, bringt alte Gefühle an die Oberfläche. Als dann noch ein neuer Mann in Ivonas Leben tritt, geraten Vergangeheit und Gegenwart unaufhaltsam in Bewegung.

    Ivona hat nicht nur schöne Erinnerungen an ihre Kindheit. Erst als sie ihr Biologiestudium beginnt und ihre große Liebe in Vlaho findet, strahlt sie vor Glück. Als beide zurück nach Zadar kehren, findet Vlaho schnell einen Job während Ivona keine Arbeit findet und zum Schluss in einem Schreibwarenladen landet. Zehn glückliche Jahre sind sie verheiratet doch der Kinderwunsch erfüllt sich nicht .Das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen und sie lassen sich scheiden, doch aus den Augen verlieren sie sich deswegen nicht, selbst ihre Liebe zueinander bleibt.

    Fazit:
    Der Autorin gelingt es, Ivonas und Vlahos Geschichte und die Innigkeit ihrer Liebe, atmosphärisch hervorragend zu erzählen. Und besonders gut gefallen hat mir die Erzählung aus Ivonas Perspektive, die ihre Gedanken und inneren Konflikte dadurch noch intensiver hervorheben. Ich hoffe sehr, dass dieses gelungene und lesenswerte Debüt die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.
    Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
    All die Farben, all das Licht

    Cora Wucherer
    All die Farben, all das Licht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    30.07.2026

    Martha und Juna

    In ihrem Debüt „All die Farben, all das Licht“ erzählt Cora Wucherer aus wechselnden Perspektiven der beiden Schwestern Martha und Juna, vom unstillbaren Hunger auf das Leben und von einem Sommer, der alles verändert.

    Die beiden Schwestern leben bei ihrem alleinerziehenden und berufstätigen Vater, denn die Mutter ist bei der Geburt von Martha, verstorben. Und gerade diese Situation entzweit die Schwestern, denn Juna gibt Martha die Schuld am Tod ihrer Mutter. Die zwei wechseln kaum ein Wort miteinander.
    Juna ist siebzehn und will trotz ihres schwindenden Augenlichts um jeden Preis Malerin werden und Martha ist dreizehn und versucht alles, um aus dem Schatten ihrer begabten Schwester zu treten. Juna leidet unter dem Usher-Syndrom und erst als sich ihre Diagnose verschlechtert, erkennen die beiden Schwestern, dass sie sich nur gemeinsam gegen die Welt wappnen können und kommen sich endlich näher.

    Berührend und sehr emotional empfand ich die Perspektive aus Sicht des Vaters Georg, der über sein Leben mit seiner Frau und die Geburt seiner Töchter, erzählt. Sein hartes Leben als Alleinerziehender ohne jede Hilfe und Unterstützung der Großeltern und letzendlich immer die Sorge um seine Töchter, haben mich tief berührt.

    Mit Junas Ausweis in der Tasche ergattert sich Martha einen Nebenjob in einem Kino – und damit eine völlig neue Unabhängigkeit. Als Juna unbedingt ihr Lieblingsgemälde von Lotte Laserstein in Malmö sehen will, ergreift Martha ihre Chance und organisiert eine heimliche Reise für die beiden. Was als Abenteuer beginnt, wird zu einer ungeahnten Herausforderung – und die Schwestern geraten an die Grenzen dessen, was sie voneinander zu wissen glaubten.

    Fazit:
    Der Autorin ist es gut gelungen, Junas Schicksal als junge leidenschaftliche Malerin die langsam ihr Augenlicht verliert, darzustellen und glaubwürdig Wege aufzuzeigen, die Veränderungen zulassen. Cora Wucherer hat einen flüssigen und gut verständlich Schreibstil, der mir sehr gut gefallen hat. Auch die Protagonisten konnten mich mit ihren Dialogen, ihren Handlungen und Entwicklungen, von der ersten Seite an abholen.
    Ein gelungenes Debüt, das ich sehr gerne weiterempfehle!
    Du musst mich vergessen

    Rosie Walsh
    Du musst mich vergessen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    21.07.2026

    Auf der Suche nach der Wahrheit

    Mich haben der Titel und der Klappentext “Du musst mich vergessen” von Rosie Walsh sehr neugierig auf diese Liebesgeschichte über Wahrheit, Schuld und die Frage, wie gut du den Menschen, den du am meisten liebst kennst, gemacht.

    Inhalt:
    Zwölf Jahre ist es her, dass sich Carrie und Johan in einer Sommernacht in Thailand das Jawort gaben. Und dass Männer den Strand stürmten und Johan verhafteten. Carrie hat ihn nie wiedergesehen: ihre große Liebe, mit der sie nur einen Abend verheiratet war. Heute führt Carrie mit ihrem Mann Robin und ihren sechsjährigen Zwillingen ein unaufgeregtes, behütetes Leben auf dem englischen Land. Doch dann stolpert sie über einen Internetbeitrag, der ihr klar macht, dass Johan auf freiem Fuß ist und in Schweden lebt. Sofort sind sie wieder da, die Erinnerungen an ihre intensive, leidenschaftliche Beziehung. Und die Erinnerungen an den Schmerz. Carrie muss herausfinden, was damals geschah, selbst wenn das bedeutet, alles aufs Spiel zu setzen, was ihr lieb ist …

    Carrie ist sich jetzt ganz sicher das sie damals vor lauter Schmerz um Johan, zuwenig unternommen hat um herauszufinden, was wirklich in Thailand geschehen ist. Sie weiß, sie muss Johan finden um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Ihre Gedanken schweifen immer wieder ab in die Vergangenheit und in der Gegenwart, gerät sie immer tiefer in ein Geflecht aus Andeutungen und Widersprüchen. Wem kann sie noch vertrauen?

    Zum Ende kommt Carrie nach vielen Überraschungen und Wendungen, der mysteriösen und unglaublichen Wahrheit, auf die Spur.

    Fazit:
    Der Schreibstil war flüssig und sehr gut zu lesen, während die Spannung recht schnell abbaute. Die Handlungen der Protagonisten waren für mich nicht immer glaubhaft und nachvollziehbar. Den Figuren fehlte es einfach an Emotionen und Tiefe.
    “Du musst mich vergessen” ist eher eine Mischung aus mysteriöser Liebes- und Familiengeschichte und nicht die erwartete spannendste Lovestory des Jahres, den ich aber trotzdem allen Fans der Autorin, gerne weiterempfehle.


    Das letzte Buch von Marceau Miller

    Marceau Miller
    Das letzte Buch von Marceau Miller (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.07.2026

    Fesselnder Spannungsroman

    Der Bestsellerautor und Abenteurer Marceau Miller wird nach einer Klettertour tot am Fuß einer Felswand aufgefunden. Für die Polizei ist der Fall klar, ein Unfall. Doch seine Frau Sarah, die ihren Mann ja gut kannte, ist als Einzige davon überzeugt, dass es kein Unfall war und versucht auf ihre Art, die Wahrheit herauszufinden. Mit ihrem und Marceaus Freund dem ehemaligen Kommissar Reynaud, macht sich Sarah auf die Suche rund um den Berg. Sie finden Hinweise, dass jemand in der Nähe bei Marceaus Absturz war und liefern die Beweise der örtlichen Polizei.

    Als Sarah ein merkwürdiger Brief ihres verstorbenen Mannes über eine Bank erreicht, der identisch auch an Marceaus beste Freunde Alexis und Rollin geschickt wurde, ist sie völlig verwirrt. Die Freunde sind fast schneller bei der Bank angelangt als Sarah und dann finden sie im Schließfach nur 3,5 Millionen Euro aber nicht das angekündigte letzte Manuskript. Frustriert und enttäuscht dreht sich Sarah um und fährt nach Hause.

    Wo ist das Manusskript, das ein lebenslanges Geheimnis enthüllen soll? Sarah weiß, sie muss das Manusskript finden um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Sie macht sich auf eine rasante Suche und gerät dabei immer tiefer in ein Geflecht aus Andeutungen, Widersprüchen und möglichen Täuschungen. Wem kann sie noch vertrauen?

    Zwischendurch kommt Marceau in Rückblenden zu Wort und er erzählt aus und über sein Leben, von seiner geliebten Schwester, über deren Tod er nie hinweggekommen ist und seine Tauchgänge zu dem abgestürzten Flugzeug seines Vaters. Diese Erzählungen machen die Handlung noch um einiges mysteriöser.

    Ausgesprochen gelungen finde ich das Ende, dass so nicht vorhersehbar war und mich total überraschen konnte.

    Fazit:
    „Das letzte Buch von Marceau Miller“ von Marceau Miller (das Pseudonym eines französischen Schriftstellers und Drehbuchautors) ist ein fesselnder und hochspannender Roman über Verrat, Erfolg und die erschreckende Frage, wie gut wir die Menschen kennen, die wir lieben. Dieser Roman ist voller Spannung und überraschender Wendungen erzählt und konnte mich bis zur letzten Seite, fesseln.
    Von mir 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!
    Maja & Natascha

    Elyse Durham
    Maja & Natascha (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.07.2026

    Ein interessanter Blick in die Welt des sowjetischen Balletts

    Elyse Durhams Debütroman „Maja & Natascha“ entführt in die faszinierende Welt des sowjetischen Balletts und erzählt vor dem Hintergrund des Kalten Krieges vom Schicksal zweier Zwillingsschwestern, deren Band selbst durch Konkurrenz und Konflikte nicht zerreißt – eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und den Mut, dem eigenen Herzen zu folgen.

    Im August 1941 kommen in Leningrad unter tragischen Umständen die beiden Zwillingsschwestern von Elisaweta, der ehemaligen Tänzerin aus dem Kirow-Ballett, auf die Welt. Doch die beiden Zwillingsschwestern werden ihre Mutter nie kennenlernen sondern deren engste Freundin Katuscha, die die Mädchen als ihre annahm.

    Leningrad, 1958. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Zwillingsschwestern Maja und Natascha, die unzertrennlich miteinander verbunden sind und seit Kindheitstagen gemeinsam davon träumen, beim berühmten Kirow-Ballett zu tanzen. Doch ihre Träume werden durch ein neues Gesetz der Regierung auf eine harte Probe gestellt, denn nur eine von ihnen darf das Land verlassen um mit dem Kirow-Ballett nach Amerika zu reisen.

    Aus den zwei unzertrennlichen Schwestern werden plötzlich Konkurrentinnen. Jede kämpft mit eiserner Disziplin und ohne Skrupel um ihr Ziel zu erreichen.
    Die Sehnsucht beider Schwestern nach Freiheit ist bis zum Schluss spürbar.

    Die angespannte Atmosphäre in die unsichere politische Lage und dem extremen Druck zwischen den Großmächten Russland und den USA, die ein Klima des Misstrauens erzeugen, ist hier sehr greifbar und gekonnt zwischen Fiktion und Realität, verwebt.

    Fazit:
    Mit ihrem Debütroman, ist es der Autorin hervorragend gelungen den harten Alltag am Ballett, die eiserne Disziplin und den anstrengenden Konkurrenzdruck, sehr anschaulich zu beschreiben. Besonders gut hat mir die Beziehung der Schwestern, die emotional sehr fein gezeichnet ist, gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und mitreißend, sodass ich schnell in die Geschichte eintauchen und sie kaum aus der Hand legen konnte.
    Gerne empfehle ich diesen Debütroman allen, die von der Vergangenheit fasziniert sind und gerne eine fesselnde und emotional mitreißende Geschichte, lesen.
    Hungergesang

    Nicola Quaß
    Hungergesang (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    04.06.2026

    Wenn emotionale Kälte das Leben bestimmen

    In ihrem Debütroman „Hungergesang“ erzählt die Autorin Nicola Quaß, eine poetische und atmosphärische Geschichte über Isolation, Zusammenhalt und die Suche nach dem eigenen Ich in einer Welt voller unausgesprochener Wahrheiten.

    Im Mittelpunkt stehen die dreizehnjährigen Drillinge Mara, Lara und Sara, die auf sich allein gestellt sind, nachdem ihre Eltern einfach spurlos verschwunden sind. Was anfangs wie grenzenlose Freiheit scheint, wird schnell zu einem Abenteuer voller magischer Entdeckungen und düsterer Enthüllungen. Bald schon werden sie mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert. Mara, die entschlossene Anführerin, Lara, die verträumte Seherin, und Sara, die besonnene Beobachterin – jede trägt ein einzigartiges Geheimnis in sich.

    Die Familienstrukturen sind hier sehr gut beschrieben. Ich konnte die Ängste und Zwänge der Drillinge gut nachvollziehen und spüren. Von der Mutter kennen die Drillinge nur Strenge, Kälte und eine unglaubliche emotionale Vernachlässigung während der Vater der Schweigende, in sich gekehrt sein eigenes Leben lebt.

    Alleine gelassen geraten die Drillinge immer mehr in Isolation, emotionaler Vernachlässigung und existenzieller Not. Hunger, Kälte und Krankheit machen sich breit, denn es fehlt überall an Geld um den Hunger zu stillen. Ihr Zusammenhalt wird auf eine harte Probe gestellt und so erschaffen sie sich ihre eigene Welt um zu überleben.

    Besonders gelungen finde ich die Entwicklung der Drillinge, wie sie ihren Hunger, mit Nähe, Zusammenhalt und Erinnerungen zwischen Realität und Fantasie, miteinander verschmelzen lassen.

    Das Ende ist überraschend aber tröstlich und für mich absolut nachvollziehbar.

    Fazit:
    „Hungergesang“ war für mich eine dieser Geschichten, die sich leise ins Herz schleichen. Ein lesenswertes Debüt voller Andeutungen, Wendungen, Aufbegehren, innerer Zerrissenheit und Geheimnissen, die auf jeden Fall viel Interpretationsspielraum zulassen.
    In ihrer klaren, poetischen Sprache geprägt mit einer dichten Atmosphäre, ist der Autorin ein lesenswertes Debüt gelungen, das ich sehr gerne weiterempfehle.
    Die Riesinnen

    Hannah Häffner
    Die Riesinnen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    24.05.2026

    Das Drei-Generationen-Porträt

    Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Eigenwillig, stark und unbequem stellen sie sich gegen Erwartungen von außen. Das macht sie zu Außenseiterinnen in dem kleinen fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos.

    In den 60-er Jahren heiratet Liese den Metzgersohn Bernhard, der sehnsüchtig auf einen Erben wartet. Währenddessen spart Liese jeden Pfennig, den sie abzweigen kann, denn sie will fort. Erst als sie schwanger wird und ihre Tochter Cora auf die Welt kommt, kennt sie ihren Platz. Sie liebt ihr Kind über alles aber Bernhard ist enttäuscht über den fehlenden Stammhalter und lässt seine Wut, Cora spüren. Für Bernhards plötzlichen Unfalltod, kann Liese keine Trauer empfinden.

    Jetzt sitzt Liese mit den Schulden für das Haus da und weiß nicht, wie sie sich und ihr Kind, ernähren soll. Sie fordert von ihren Schwiegereltern die Metzgerei, obwohl sie nicht mal weiß, ob sie das kann. Unerbittlich und mit starker Willenskraft, erobert sie sich ihre Metzgerei und schuftet bis zum Umfallen. Für Liebe und Freundschaften hat sie keine Zeit, sie kennt nur ihre Pflichten und die Fürsorge für ihre Tochter Cora.

    Je älter Cora wird, rebelliert sie gegen die Enge im Dorf. Sie will die weite Welt sehen und etwas erleben. Ihre Mutter Liese legt ihr keine Steine in den Weg und lässt sie ziehen. Schwanger kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und muss lernen, dass Heimkehr keine Niederlage ist.

    Und Coras Tochter, Eva, zieht in die Ferne zum Studieren, doch ihren richtigen Platz hat sie noch nicht gefunden bis es ihr wie Schuppen von den Augen fällt, dass es ja der Wald ist, denn sie so sehr liebt. Sie kehrt zurück in ihre Heimat und ihrem geliebten Wald.

    Das Ende hat mich ein wenig überrascht, denn plötzlich redet Liese ganz nebenbei über lange verschwiegene Geheimnisse, die Eva aus ihrer Sicht ins rechte Licht rückt es aber vorzieht, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

    Fazit:
    Mit „Die Riesinnen“ erzählt Hannah Häffner die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Der Schreibstil ist flüssig aber leise und erzählt über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur. Einige Entwicklungen waren für mich nachvollziehbar, andere eher weniger. Was mir besonders gefehlt hat, war die Tiefe der einzelnen Figuren, denn ich wäre ihnen gerne noch nähergekommen.
    The Artist

    Lucy Steeds
    The Artist (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.05.2026

    Atmosphärisch wunderbar erzählt

    Schon alleine das wünderschöne Cover von "The Artist: Die Farben des Lichts“ hat mich neugierig auf dieses Debüt von Lucy Steeds gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.

    Atmosphärisch und in einer wunderschönen Sprache, erzählt Lucy Steeds die mitreißende Geschichte einer begabten jungen Malerin, die sich, allen Widerständen zum Trotz, Zutritt zur Kunstwelt verschafft. Eine Geschichte wie ein mehrschichtiges Gemälde: sinnlich erfahrbar, voller Düfte, Farben, Tiefe, Licht und Schatten.

    Im Mittelpunkt steht ein altes abgelegenes Landhaus in der französischen Provinz und seiner Bewohner, der weltberühmte Maler Édouard Tartuffe und seine Nichte Ettie bis der noch völlig unbekannte Journalist Joseph Adelaide, eines Tages mit einer Einladung für ein Interview vor der Tür steht. Nur Édouard Tartuffe, der sich seit Jahren der Öffentlichkeit entzieht, weiß nichts von einer Einladung. Ettie rettet die Situation: „Das hier ist dein Junge mit Orange“ und Tartuffe bietet Joseph einen Handel an, wenn er ihm Modell sitzt, darf er bis zur Fertigstellung des Gemäldes im Landhaus wohnen, seine Arbeit beobachten und darüber schreiben.

    Joseph lässt sich auf diesen Handel ein doch schnell merkt er, dass er keine Ahnung vom Landleben hat, denn alles ist fremd und ungewohnt für ihn. Die Launen von Tartuffe, sind schwer zu ertragen aber Joseph erkennt bald, dass das größte Rätsel jedoch nicht der »Meister des Lichts« ist, sondern Tartuffes Nichte. Ettie kocht, putzt, wäscht Pinsel und erträgt Tartuffes Launen mit unergründlicher Hingabe. Doch etwas brodelt in ihr. Joseph fühlt sich immer mehr zu ihr hingezogen, doch er versteht ihre Worte nicht: Sieh mich – so wie ich bin.

    Und langsam aus wechselnder und fesselnder Perspektive zwischen Ettie und Joseph, kommt Schicht für Schicht wie in einem Gemälde, ihr Geheimnis ans Licht ...

    Der Prolog beginnt mit dem Jahr 1957 in London, die Geschichte selbst handelt aus dem Jahr 1920 in Saint-Auguste-de-Provence und endet zum Schluss wieder im Jahr 1957 in London.

    Fazit:
    Der Autorin ist es hervorragend gelungen, eine atmosphärisch dichte und fesselnde Geschichte über eine begabte junge Malerin, die sich, allen Widerständen zum Trotz, Zutritt zur Kunstwelt verschafft, zu erzählen. Die Charaktereigenschaften und Entwicklung der Protagonisten, sind ausgesprochen gelungen und spannend, ausgearbeitet. Der flüssige Schreibstil unterstreicht die emotionalen Momente und lässt auch die traurigen Ereignisse deutlich fühlbar werden. Jede Zeile war für mich spannend und lesenswert.
    Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
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